Montag, 25. Juni 2007

22.06.2007 - Regen, Arbeit und Hostessen - Christoph

Wie all diejenigen die unseren Blog regelmäßig aufrufen (Was übrigens alle tun sollten ;)) wohl bemerkt haben werden, war dies ein sowohl arbeitsreiches als auch erlebnisreiches Wochenende. Es ist Montag und ich sitze an meinem alten Notebook und schreibe den Beitrag für Freitag. Aufgrund der vielen Arbeiten die wir zu erledigen hatten ist an diesem Tag nicht sonderlich viel passiert, aber, wir wollen unseren Lesern, Geldgebern und potentiellen Geldgebern ja etwas zu lesen bieten, und zu erzählen gibt es hier wirklich immer was.
An diesem Tag wollte uns die Regenzeit mal beweisen das es sie tatsächlich gibt, das sie nicht nur ein hirngespinst der Japaner ist, eine einfache Gruselgeschichte die dazu dient Urlauber fernzuhalten, nein, die Regenzeit ist tatsächlich vorhanden. Und so war der Himmel den ganzen Tag über stark bewölkt und es regnete immer wieder, mal leicht, mal wieder etwas heftiger so das es uns letztendlich nicht sonderlich schwer viel im Guesthouse zu bleiben. Arbeit gabs ja genug und langweilig wird es hier ja auch nie. Zur Zeit sind glaube ich rund 15 Leute hier, allein 8 davon sind Deutsch, und die meisten aus unterschiedlichen Gründen in diesem Land. Da Alex ja sein Lager im Aufenthaltsraum aufgeschlagen hat, ein Raum an den auch Küche und Bad angegliedert sind haben wir fast immer irgendwie Gesellschaft. Hin und wieder kommt ein Bewohner, redet mit uns, schaut fern, setzt sich an den Computer oder, im Falle der Katzenfrau von nebenan – kocht für die Katzen. Gerade die Unterhaltungen sind immer wieder sehr interessant, vor allem da einige der Bewohner hier ja schon eine ganze Zeit in diesem Haus wohnen, sich in Japan aufhalten und teilweise ähnliche, teilweise ganz andere Erfahrungen gemacht haben als wir. Und, nicht alle fühlen sich hier in Japan wirklich wohl, während ein paar hier unbedingt bleiben wollen steht für andere fest „Ich will weg von hier.“ Überall scheint diese Mischung aus Begeisterung und dem großen dicken Fragezeichen das über den Köpfen schwebt wenn man so manch eine Eigenheit dieses Volkes betrachtet.
Eine der Bewohnerinen, sie ist Brasilianerin, will wieder weg von hier, ihre Großeltern sind Japaner, stammen aus einer Zeit in der sich viele Japaner in Brasilien niederließen und so hat sie auch das Asiatische äußere geerbt. Das stellt sie vor manch ein Hindernis, man erwartet von ihr das sie fließend Japanisch spricht. Auch die Zurückhaltung der Japaner ist für sie als Brasilianerin oft frustrierend, während es in ihrem Heimatland üblich ist einfach Leute in der Bahn anzusprechen herrscht hier absolutes Schweigen. Kaum Unterhaltungen, selbst wenn man mit seinen Freunden unterwegs ist versinkt man oft ganz automatisch in dieses all umfassende Schweigen. Dazu lieferte sie auch einen treffenden Kommentar „Wenn dich in Brasilien jemand einfach Anspricht, dann ist das normal. Wenn das jemand in Japan tut, dann ist er irgendwie verrückt.“
Mit ihr und ein paar anderen Bewohnern des Hauses führten wir auch ein Gespräch über „Hostessen“, ein Thema das uns zwei Abende lang verfolgte. Eine Japanische Eigenheit die uns einfach völlig abwegig erscheint. Hostessen bzw. männlich Hosts sind Personen die für ihre Gesellschaft (und eigentlich nur für ihre Gesellschaft) also ein angenehmes Gespräch und dergleichen, eben einen lustigen Abend bezahlt werden. Gute Hostessen verdienen mitunter mal locker 900.000 Yen im Monat, das sind rund 5500-6000 Euro, dafür das man redet und dabei kostenlos trinkt ist das eigentlich ein ganz guter Verdienst. Gut, 30.000 – 100.000 davon gehen an die Yakuza, aber das ist wohl auch noch zu verkraften. Am ersten Abend waren wir angesichts dieses Brauches noch völlig ratlos, man stelle sich doch einmal eine Situation vor in der man, mit Freunden am Tisch sitzt und dann erzählt „Ich habe gestern eine Frau dafür bezahlt das sie mit mir redet!“ Das klingt schon ziemlich abwegig. Am Zweiten Abend erfuhren wir allerdings von jemanden der sich schon genauer über dieses Geschäft informiert hat warum das so läuft, die Japaner arbeiten einfach soviel das sie gar keine Zeit mehr dazu finden sich jemanden für eine nette Gesellschaft zu suchen. Also beschleunigt man die Sache in dem man einfach dafür zahlt! …Vielleicht sollten wir uns wohl auch mal eine Stelle als Host suchen… Klingt sehr ertragreich… :)

3 Kommentare:

Elena hat gesagt…

Hey, ihr beiden! Grossartig, was ihr da so fabriziert :o)
Danke fuer die Nachricht, ich hab leider immer noch nicht rausgefunden, wie man mit dem Ding anwortet ^_^

Wuerde mich freuen, euch in Big T zu sehen! Vielleicht bin ich das Wochenende 27.-30. Juli da, sind doch Riesen-Hanabi :o)

Schmirgi hat gesagt…

Hi!
Bin durch Zufall auf euren Blog gestossen. War Anfang des Jahres für 2 Monate in Sapporo/Hokkaido.

Das mit den Hostessen find ich auch ne krasse Story. Hab das in Susukino täglich erlebt. Männer bezahlen also pro Stunde 3000-8000 Yen (ok, all you can drink ist auch dabei ;-) um sich mit einer Frau zu unterhalten. Japanische Männer sind jedoch so schüchtern, dass sie auf andere Art und Weise auch keine Frauen kennenlernen können bzw. zu beschäftigt sind.
Wir haben das natürlich auch mal ausprobiert, und hatten Glück, da wir eine junge Studentin am Tisch hatten, die perfekt Englisch und Französisch sprach (selten in Japan). Sie konnte uns also mehr über das Hostessen-Business erzählen. Sie finanziert z. Bsp. damit ihr Studium.
Wünsch euch noch viel Spaß dort drüben!
O yasumi-nasai!
jürgen

Alexander Wiebe hat gesagt…

oha hokkaido im winter is bestimmt auch cool :D schön ski fahren und so ^^

hehe aber so ganz nachvollziehen kann cih das mit den host clubs trotzdem nit :D

oho eine studentin die perfekt englisch konnte... da hattet ihr echt verdammtes glück, denn ausser den studenten spricht irgendwie wirklich niemand englisch...